"Berlin Ecke Schönhauser" entstand 1957 und gilt als ostberliner Antwort auf den etwa kurz zuvor entstandenen und überaus erfolgreichen Jugendfilm "Die Halbstarken" von Georg Tressler. Natürlich orientierte sich Tressler auch an amerikanischen Vorbildern dieser Zeit. Da wurde der jugendliche Rebell James Dean durch "...denn sie wissen nicht, was sie tun" zum großen Star oder man sah Jugendliche auf kriminellen Abwegen in "Die Saat der Gewalt". Inszeniert wurde der DEFA Film von Gerhard Klein und zählte sehr schnell zu den bedeutendsten DEFA Filmen seiner Zeit. Wie seine Vorbilder gelingt es auch hier eine genaue Beschreibung des Lebensgefühls einer Generation entstehen zu lassen. Selbst in der heutigen Zeit ist diese Stimmung sehr gut zu spüren aufgrund des perfekten Zeit- und Lokalkolorits.Der Film zeigt eine Jugend zwischen den Fronten und thematisiert auch die gesellschaftlichen Fehlentwicklungen in der DDR. Dieser Punkt fiel auch der staatlichen Filmkritik auf und das Verbot lag nahe. Man war der Meinung, dass der Film "schädlich auf unsere Menschen wirken" könnte und eine Zulassung des Films wurde erstmal verweigert. Die Wende kam als er am 14. Juni 1957 dem FDJ Zentralrat vorgeführt wurde. Diese urteilten dann anders und sahen in "Berlin Ecke Schönhauser" ein Film, der bei den Massen richtig ankommen werden und ein Signal sei, beim Aufbau mitzuhelfen. Nach diesem günstigen Statement gab die Hauptverwaltung dem Film über die jugendlichen Rebellen in Ostberlin grünes Licht für die Kinos. Er erlebte mit dreimonatiger Verspätung am 30. August 1957 seine Kinopremiere. Bereits einige Wochen später hatten meh als 1,5 Millionen Zuschauer den Film gesehen. Mit diesen Zuschauerzahlen wurde er zu einem der erfolgreichsten DEFA Produktionen aller Zeiten.Berlin in den 50er Jahren, noch sind die Sektorengrenzen offen, doch der Kalte Krieg wirft seine Schatten voraus. Die Jungendlichen Dieter (Ekkehard Schall), Kohle (Ernst-Georg Schwill), Karl-Heinz (Harry Engel) und Angela (Ilse Page) leben in dieser Zeit zwischen Petticoat und RocknRoll im östlichen Sektor von Berlin. Sie gehören zu einer Gruppe von Halbstarken, die sich regelmäßig unter der U-Bahn-Brücke an der Schönhauser Allee versammeln und den Nachmittag mit Unsinn und Chillen verbringen. Manchmal kommt es zu Sachbeschädigungen durch Mutproben, dadurch sind sie auch bestens bei der Volkspolizei bekannt. Die Motivation zur Gruppe zu gehören ist unterschiedlich. Dieter hat zwar einen Beruf, will jedoch seine Freiheit ausleben. Die FDJ wirbt um ihn, doch er will Einzelgänger bleiben. So wie Marlon Brando, der Kinostar, denn den verehrt ja auch seine heimliche Liebe Angela. Kohle flüchtet vor seinem ständig betrunkenen und gewaltbereiten Stifevater. Er hat als Versager in der Schule wenig Perspektive für die Zukunft. Karl-Heinz ist verwöhnt, weil er reiche Eltern hat. Er gerät zunehmend als Ausweisdieb auf die schiefe Bahn. Angela ist mit der alleinstehenden Mutter im ständigen Clinch. Bald kommt es zu dramatischen Situationen, die zur Flucht von Dieter und Kohle in den Westen führt. Dort in einem Auffanglager erleben sie die zweifelhafte Fürsorge der Westler...Es wird natürlich schnell klar, warum der Film von der FDJ durchgewunken wurde. Gesamthaft propagiert er schon die Überlegenheit der sozialistischen Gesellschaftsordnung und stellt den eigenen Staat und seine Ordnungskräfte nicht wirklich in Frage. Er kommt ja durch den Ausflug in den Westen zum Schluß zu der Feststellung "Nirgends ist es so gut wie daheim" - auch wenn der jugendliche Rebell sich erst mal finden muss und hautnah bewiesen bekommt, dass er irgendwann seiner Verantwortung bewusst werden wird. Aber daneben gibt es doch auch eine bemerkenswert realistische Zeichnung des Ostberliner Alltags. Man erfährt auch von den Nöten dort, der Schwierigkeit einen passenden Beruf zu finden und auch die gesamthafte Perspektive Zukunft ist im Unklaren. Die Fürsorge durch die Organisiationen kommt im Film auch nicht so opitmal rüber, es deutet sich die Bevormundung von staatlicher Seite an. Der Stil des Film orientiert sich ein bisschen am italienischen Noerealismus jener Zeit. Atmosphäre und Milieu sind sehr gut gezeichnet.Der Film funktioniert auch sehr gut als Zeitgeschichtliches Dokument.
Der Film spielt in den 50ziger Jahren des 20. Jahrhunderts in Ost-Berlin und erzählt von kriegsbedingt verlorenen Jugendlichen, die sich mangels kindlicher Entfaltungsmöglichkeiten, aufgrund fehlenden Abschlusses von Entwicklungsphasen und infolge ihrer ausschließlich kriegsgeprägten Kindheitsjahre und Erfahrungen gesellschaftlich nicht einordnen können, auch nicht einbringen wollen und keinen Sinn darin sehen, sich zum Nutzen der Gesellschaft zu engagieren.
wirklich süßer Film. Prenzlauer Berg in den 50ern - wer im Kietz wohnt/gewohnt hat, wird seine Freude haben!!!
Berlin Mitte der 1950-er Jahre. Die Stadt ist geteilt - die Grenzen noch offen. Eine Gruppe Heranwachsender trifft sich täglich unter dem U-Bahnbogen auf der Schönhauser Allee im Osten der Stadt. Für eine Westmark wird schon mal eine Laterne als Mutprobe eingeworfen. Die sozialen Hintergründe sind unterschiedlich: Dieter (Ekkehard Schall) ist Bauarbeiter und will auf der Straße seine Freiheit. Kohle (Erst-Georg Schwill) war ein schlechter Schüler und bekam keine Lehrstelle, ist aber vor allem auf der Flucht vor seinem alkoholabhängigen Stiefvater. Karl-Heinz hofft schon lange, dass seine Eltern endlich die Flucht in den Westen antreten, und hat bereits Verbindungen ins Westberliner Unterweltmilieu geknüpft. Angela ist ihrer Mutter im Wege, die in der Wohnung mit ihrem Freund allein sein will. "Warum kann ich nicht leben, wie ich will? Warum habt ihr lauter fertige Vorschriften? Wenn ich an der Ecke stehe, bin ich halbstark. Wenn ich Boogie tanze, bin ich amerikanisch. Und wenn ich das Hemd über der Hose trage, ist es politisch falsch." sagt Dieter während einer Auseinandersetzung zu seinem Bruder, dem Volkspolizisten. Und er drückt damit das Lebensgefühl einer Jugend aus, die mehr Freiheiten braucht.Gerhard Klein (1920-1970) drehte 1954 nach einem Drehbuch von Wolfgang Kohlhaase (*1931) den vor dem Hintergrund des geteilten Berlin handelnden Film ALARM IM ZIRKUS, der ein großer Erfolg bei Kritik und Publikum wurde und so schnell das Nachfolgeprojekt EINE BERLINER ROMANZE (1956) möglich machte. Um das Drehbuch zu BERLIN-ECKE SCHÖNHAUSER gibt es dann schon heftige Diskussionen. Denn obwohl der Film ein eindeutiges Bekenntnis zum Staat DDR ist (Schlusssatz des von Raimund Schelcher dargestellten Volkspolizisten: "Ich bin schuld. Und du bist schuld. Wo wir nicht sind, sind unsere Feinde."), ist die im Film enthaltene Kritik an der DDR-Gesellschaft den Film-Funktionären zu deutlich. Erst nach einer positiven Meinungsäußerung aus dem Zentralrat der FDJ kommt der Film verspätet zur Premiere und hat binnen drei Monaten 1,5 Millionen Zuschauer. In der Bundesrepublik (in der es doch laut Grundgesetz keine Zensur gibt) blieb BERLIN-ECKE SCHÖNHAUSER bis in die 1960-er Jahre verboten. Im Jahr 1965, mithin im Jahre vier nach dem Mauerbau, drehte das Team Klein/Kohlhaase einen weiteren Berlin-Film, der wiederum die Probleme Jugendlicher zum Thema hatte. BERLIN UM DIE ECKE fiel dem Kahlschlag des XI. Plenums des ZK der SED zum Opfer und wurde in einer unfertigen Rohschnittfassung erst im Februar 1990 der Öffentlichkeit vorgestellt.Die DVD von ICESTORM präsentiert den Film in guter Bild- und Tonqualität. Bei den Extras ist vor allem das Zeitzeugengespräch von Ralf Schenk mit Wolfgang Kohlhaase (2001, 39 min) von Interesse, in dem dieser über die Zusammenarbeit mit Gerhard Klein und die Probleme mit den Berlin-Filmen berichtet. Einige Ausschnitte aus der DEFA-Wochenschau DER AUGENZEUGE, eine Bildergalerie sowie Texttafeln über den sozialrealistischen DEFA-Film und Bio-/Filmographien einiger Mitwirkender runden das Material ab.Eine sehr empfehlenswerte Veröffentlichung für filmhistorisch orientierte Sammlungen!
spitze
Der DEFA-Spielfilm „Berlin Ecke Schönhauser" aus dem Jahre 1957 zeichnet ein wirklichkeitsgetreues Bild des Ost-Berliner Alltages der 1950er Jahre. Das gelang in besonderer Weise, da Regisseur Gerhard Klein und Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase auf der einen Seite die vor Energie strotzenden, aber kopflos herumlungernden Jugendlichen und auf der anderen Seite die heuchelnden, fremdgehenden und auf ihre Kinder einprügelnden Erwachsenen gekonnt von Kameramann Wolf Göthe in Szene setzen lässt. Das Handlungsspektrum dieses Spielfilms birgt weitaus mehr Potential als nur den üblichen Generationskonflikt, da Berlin bereits in vier Sektoren geteilt ist, jedoch steht die schreckliche Mauer noch nicht. Gedreht wurde an Originalschauplätzen rund um den U-Bahnhof Dimitroffstraße (heute Eberswalder Straße). Mit Ekkehard Schall (Brechtdarsteller) und Helga Göring standen Schauspieler vor der Kamera, die zu den beliebtesten der ehemaligen DDR gehörten. Die in West-Berlin lebende Ilse Pagé wurde von Kameramann Göthe auf der Straße entdeckt. Mit Rolle der Angela wurde sie zu einem Star aus dem Westen in einem Ostfilm. Natürlich entsprach die Darstellung beider Seiten nicht dem Bild sozialistischer Persönlichkeiten, welches die DDR propagierte. Deshalb war die Begeisterung nach Fertigstellung des 79 Minuten langen Streifens bei den Verantwortlichen im Kulturministerium eher verhalten. Nach einem kurzen Knurren und Murren von dort, wurde dieser Film, der inzwischen zu den 100 wichtigsten deutschen Filmen gehört, im August 1957 im Berliner Kino Babylon uraufgeführt. Vom Ost-Berliner Publikum wurde der Spielfilm damals mit großer Begeisterung aufgenommen. In West-Berlin und der restlichen Bundesrepublik wurde dieser Film wegen der negativen Darstellung des Flüchtlingsnotaufnahmelagers in dem ein Jugendlicher starb, verboten. Die Bild- und Tonqualität der DVD dieses DEFA-Klassikers ist gut.
Ist ein absoluter Defa-Klassiker, der die Jugend der 50er in der noch recht frischen DDR zeigt. Nicht bieder und brav, sondern rebellisch und zukunftsunsicher. Am Rande wird auch dem Zuschauer gezeigt, dass auch die Flucht in den Westen kein Ausweg aus seinen Problemen ist. Gut ist auch die Musik, vorallem in der Bar. Berlin- Ecke Schönhauser gehört in jede gute Filmsammlung.
Ein Film, der Erinnerungen weckt und das Halbstarkenmilliö der 60-ziger Jahre von Berlin wieder spiegelt.Habe ihn damals schon gesehen und jetzt als DVD gekauft.
